Zurück in Sarajevo

Sie wusste wo sie war. Noch nie habe ich meine Willow so erlebt wie in diesen wenigen Stunden in der Altstadt von Sarajevo. Geduckt, hinter mir her laufend, Rute und Kopf tief gehalten und dann dieser Ausdruck in ihrem Gesicht. Diese von Krieg und politischen Chaos geprägte Stadt ist eingehüllt in einen äusserst eigenen Duft…verbranntes Holz und Grillfleisch vermischt mit Verkehrsabgasen, eine Art Signatur.  Ich denke es war der Geruch den sie erinnerte und in ihr das Unbehagen auslöste.

Übrigens sind alle Strassenhunde die noch vor ein paar Jahren das Stadtbild von Sarajevo schmückten verschwunden. Wir fragten nach und uns wurde erzählt, dass Hundefänger sie einfangen und umbringen seit die Stadt einen neuen Bürgermeister hat und sie dafür bezahlt werden. Junge Lokale erzählten mir, dass in ganz Bosnien das Strassenhundethema für Politzwecke ausgenutzt werde und ihre Lebenssituation unakzeptabel, beschämend und absolut tragisch sei. Einer der bekanntesten bosnischen Filmemacher drehte einen Dokumentarfilm: KINOFIL by Damir Janecek. Sehenswert, jedoch nicht für zartgeseitete Menschen, welche sich dieser Realität nicht stellen können oder wollen.

Janecek beginnt den Film mit einem Zitat: „I made this film because i feel like a stray dog mayself“. Während ich mir diese Dokumentation anschaute verlor ich viele viele Tränen und ein Seelenbeben fand in mir statt. Dieser Film zeigt nicht nur das schwierige Leben der Hunde sondern eben auch der Menschen, welche sich aktiv für Veränderung einsetzen. Wie sie kläglich am gleichgültigen, unzuverlässigen und überkorrupten Politsystem in ihrem Heimatland scheitern. Meine Tränen flossen auch für diese Aktivisten. Für mich als privilegierte Schweizerin aus einem funktionierendem Rechtsstaat sind solche Zustände einfach unvorstellbar.

Seit meinem Aufenthalt in Sarajevo, der Konfrontation mit diesem Film, Willows Angstverhalten in der Altstadt und meinen Hundebeobachtungen ausserhalb der Stadt, verstehe ich nun endlich meinen „Kriegs“hund. Die Auswirkungen einer Sozialisation in einem solch feindlichen und unberechenbaren Umfeld habe ich mit meinem Hund erlebt, jedoch die Tiefe dieser Prägungen nie ganz erfassen können!

Für dieses Unvermögen, liebe Willow stehe ich für immer in deiner Schuld und werde mit meinen Fehlern aus der Vergangenheit irgendwie klar kommen müssen. Dank Dir werde ich klar kommen, denn Du lebst mir genau diese Tugend vor und ich danke Dir aus tiefstem Herzen dafür.. meine Heldin!

Ich möchte euch bei dieser Gelegenheit einige Aktivisten vorstellen, welche sich Tag für Tag für diese geschundenen Hundeseelen einsetzen:

Edina Pasic hilft wo sie nur kann in ihrer Freizeit. Sie besucht die sogenannten „Horror-Shelters“ wo Hunde eingesperrt hinter Gittern ohne Zuwendung leben und ohne Einsätze der Freiwilligen verenden würden. Ich bewundere diese Frau sehr! Sie ist mit sehr unschönen Bilder konfrontiert, gibt aber nicht auf und freut sich über jede Spende um weitere Hundeleben zu retten.

Nenad Lakic ist Veterinär und führt eine Pension wo er so viele Hunde aufnimmt wie nur irgendwie möglich. Er ist erfolgreich in deren Vermittlung wie ihr seinem Facebookprofil entnehmen könnt.

Animal Welfare Advocates for Bosnia eine geschlossene Gruppe von 1660 Mitglieder die sich ebenfalls für bosnische Strassenhunde- und Katzen einsetzten.

Bild: © andrea jäggi / dogness.ch